Zeitungsartikel

Weltmeister Timo Schaffeld schwärmt von Hawaii – NRZ Artikel von Andreas Nohlen

Timo Schaffeld auf dem Rad 2 - Ironman Hawaii 2018

Sensationell hat der Oberhausener Timo Schaffeld bei seinem Ironman-Debüt auf Hawaii seine Altersklasse gewonnen – und einen Rekord aufgestellt.

Timo Schaffeld ist nicht zu bremsen, weder durch Unfälle, noch im Wettbewerb und auch nicht bei seinen Erzählungen danach. „Es ist schwer in Worte zu fassen, aber ich habe das Gefühl, ich gehöre hier hin“, schwärmt der 22-Jährige via Internet-Telefonat von Hawaii und dem dortigen Ironman, bei dem Schaffeld für einen Paukenschlag in der Triathlon-Welt gesorgt hat. Bei seinem ersten Start über die Langdistanz wurde der Oberhausener nicht nur Weltmeister seiner Altersklasse 18-24 und 69. des Gesamtfeldes, sondern verbesserte mit seiner Zeit von 8:51,50 Stunden auch den Streckenrekord für seine Altersklasse um vierzig Sekunden.

Qualifiziert für die Hula-Hula-Insel hatte sich das Mitglied des OTV Endurance Teams über den Ironman in Hamburg, der aufgrund einer hohen Blaualgenkonzentration im Wasser zu einem Duathlon umfunktioniert worden war. Ein schwerer Radunfall vor gut zwei Monaten drohte den Start im Mekka der Triathleten platzen zu lassen. Beim Training auf La Palma hatte ihn eine Windböe in der Kurve einer Abfahrt bei 15 Prozent Gefälle von der Straße gepustet. Nach zwei Saltos war er vor eine Felswand geknallt, sein Hüftgelenk ausgekugelt, eine Rippe gebrochen und eine Kniescheibe herausgesprungen. Der Helm hatte ihm das Leben gerettet.

Dank an Physios, Familie, Freunde und Fans

„Von den Verletzungen habe ich nichts mehr gespürt, die Physios haben wirklich tolle Arbeit geleistet“, so Schaffeld, der mit einem 14-köpfigen Unterstützer-Tross angereist war. „Und bei meinen Freunden und meiner Familie hier vor Ort möchte ich mich auch ausdrücklich bedanken. Ich musste mich hier um nichts kümmern außer dem Sport. Ohne diese Komplettversorgung wäre es bestimmt nicht so gelaufen, wie es gelaufen ist.“

Dabei begann auch Hawaii mit einem schmerzhaften Schreckensmoment. Beim Trainingswettkampf, um die Schwimmstrecke kennenzulernen, machte Schaffeld Bekanntschaft mit einer Feuerqualle. „Es war wie ein Stromstoß und ich musste mich sofort übergeben. Es kam auch direkt ein Paddelboot, aber ich bin dann weitergeschwommen“, so der Eisenmann.

Keine Angst trotz Quallenkontakt

Nachdem der Oberhausener auch noch den Trainingslauf über 10 Kilometer in seiner Altersklasse gewonnen hatte, wurde es ernst. „Ich habe für den Schwimmstart einen guten Platz gefunden, links von der großen Masse. Nach 1,5 Kilometern wurde es noch mal richtig eng und man musste sich mit Ellenbogen durchsetzen, aber dann konnte ich wieder wegschwimmen“, so Schaffeld.

Keine Angst vor weiteren Kontakten mit Meeresbewohnern? „Im Gegenteil, die Unterwasserwelt ist einfach nur fantastisch! Man schwimmt über Rochen, alles ist unglaublich bunt.“ Nach 3,8 Kilometern und 57:49 Minuten ging es aus dem Wasser. „In Ordnung“, wie der Weltmeister seine Zeit fand. Im Gesamtklassement bedeutete dies Rang 251.

Diskussion mit den Muskeln

Wenig begeistert war Timo Schaffeld vom Verhalten zahlreicher Mitstreiter auf dem Rad. „Das Windschattenfahren auf den ersten 40, 50 Kilometern war nicht mehr normal. Ich habe mir nur noch gedacht, dass ich die Leute irgendwie loswerden muss.“ Und so trat der 22-Jährige entgegen dem Rat seines Trainers noch vor und auch nach dem Wendepunkt noch heftiger, über 300 Watt, in die Pedale. „Ich habe da schon Profis überholt, die ja 20 Minuten vorher gestartet waren. Aber ich habe mir auch gedacht: Hoffentlich bereust du das nicht.“

Seine Oberschenkel hatten eine klare Meinung zu seiner Taktik: Schmerzen und Krämpfe. „Ich habe mit meinen Muskeln geredet, draufgehauen und gesagt, dass sie das sein lassen sollen“, berichtet Timo Schaffeld von seinem Kampf mit Kopf und Körper. Nach starken 4:32,30 Stunden hatte er über die Distanz von 180 Kilometern knapp ebenso viele Konkurrenten überholt und ging als Führender seiner Altersklasse bei – für Hawaii – angenehmen Bedingungen auf die Laufstrecke.

Ratschläge spuken im Kopf herum

„Mir wurde bei Kilometer zehn zugerufen, dass der Vorsprung auf den Streckenrekord sogar noch wächst“, so der Sportsoldat und Student des Wirtschaftsingenieurwesens. Allerdings wuchsen draußen auf dem Highway auch die Belastung für die Oberschenkel und die Einsamkeit. „Mir spukten so viele Sätze im Kopf herum, die ich vorher als Ratschlage bekommen habe. Letztlich habe ich mir immer wieder gesagt, dass das mein Wettkampf ist und ich das auch schaffe.“

Er nahm jede einzelne der alle 2,5 Kilometer postierten Verpflegungsstationen mit und etwas Tempo raus. So verfehlte er mit seinen 3:17,20 Stunden seine Zielzeit im Marathon um elf Minuten, doch das Rad hatte den Grundstein für den Altersklassen-Triumph gelegt.

Timo Schaffeld Siegerehrung Altersklassen Weltmeister - Ironman Hawaii 2018
Timo Schaffeld Siegerehrung Altersklassen Weltmeister – Ironman Hawaii 2018

„Der Spirit hier, die Atmosphäre, die Menschen, die Landschaft, das ist wirklich kaum zu beschreiben“, sagt der Oberhausener und derzeitige Wahl-Hamburger über den Ironman auf Hawaii, für den er sich durch seinen Erfolg bereits für die nächste Auflage 2019 qualifiziert hat. „Ich hoffe, beim nächsten Mal kommen noch mehr Leute mit. Ich möchte allen das hier zeigen, das ist meine Welt.“

Keine Zeit für Sonnencreme

Mitverantwortlich für seinen Streckenrekord macht Timo Schaffeld auch seine schnellen Wechselzeiten von 1:56 Minuten auf das Rad und 2:15 auf die Laufstrecke. „Da kommt mir natürlich meine Liga-Erfahrung zu Gute. Mir ist auch jemand auf meine Brille getreten, aber da darf man sich nicht mit beschäftigen“, so Schaffeld, der dann mit der Brille seines Vaters gelaufen ist.

Auch Sonnencreme legte er keine nach. „Jetzt habe ich natürlich knallrote Arme und Beine. Aber die Sekunden zählen auch und der Stolz über das Erreichte überwiegt den Schmerz deutlich.“

Vielen Dank an an Andreas Nohlen und die NRZ, dass wir diesen wunderbaren Bericht auf unserer Seite zeigen dürfen.

Den Originalbericht gibt es hier: https://www.nrz.de/sport/lokalsport/oberhausen/weltmeister-timo-schaffeld-schwaermt-von-hawaii-id215578049.html